Die Bütt zum Sonntag

 

 

 

Greifswald (SPA): Karneval und der 11.11. sind im Nordosten nur etwas für jecke Eiländer. So verinselt, dass auch wir die letzten beiden Gelegenheiten gnadenlos verpassten,  der Leserschaft einen kleinen, aber großen Bodenfund zu präsentieren: einige Strophen der Büttenreden aus dem Greifswalder Geographenkeller. Schwer leserlich auf mittlerweile vergilbtem Papier, das Anfang der 90er Jahre an der Bar dieses beispiellosen Etablissements mit Versen versehen wurde. Sogar einige Spritzer "Racke Rauchzart" lassen sich noch identifizieren. Abgesehen von der nimmermüden Aktualität einiger Zeilen wünschen wir den Lesern glückliches Ereignisraten. Mit einem nordisch schüchternen Helau auf den Lippen.

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Der Dämon in ihrem Kopf

 

Vorwort: Immer mehr und immer jüngere Menschen leben mit psychischen Handicaps. Kürzlich zeichnete eine junge Frau den Dämon, der sich in ihrem Kopfe eingerichtet hat. Uns hat er erzählt …

 

 

Greifswald (SPA): Weißt du noch, damals in der Bar? Eure Clique, in der einige Leute wissen, was mit dir los ist und andere nicht. Verständnis hier, kein Verstehen da. Und dann diese eine Person, zu der du keinen Draht findest. Wahrscheinlich sie auch nicht zu dir. Dann kam dieses Gefühl, das in solchen Situationen immer kommt. Dir geht es nicht gut und du ziehst dich zurück.

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Lütkes Muss und Grimbarts Versammlungen

 

Ein Gastbeitrag von Anna Naomi Maus

 

 


Greifswald (SPA): Ein schüchternes Klopfen an Grimbarts Tür. Nach seinem kurzen „Ja!“ stapfen Bockert und Petz in den Bau. Sie grüßen kurz und setzen sich an den runden Tisch, in dessen Mitte ein Dutzend angespitzter Bleistifte, Radiergummis, Lineale und Formelblätter auf den Gebrauch durch zwei Könige der Nutzholzbearbeitung warten. Zwei Könige, die einst entkräftet durch das mit allerlei unnützem Wissen gestickte Sieb von BILDung und UNTER-RICHTEN gefallen waren und nun im geschützten Fabelmärchenwald multilateral auf ein Leben in der freien Wildbahn vorbereitet werden.

 

 

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Der nivellierte Mensch

 


Greifswald (SPA): Dem Thema „Time for Change? – Schule zwischen demokratischem Bildungsauftrag und manipulativer Steuerung“ widmete sich am letzten Samstag eine Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal. Was Lehrer, Eltern und Bürger unternehmen können, um Schule wieder in die demokratische Verantwortung zu holen, stand neben der Analyse von manipulativen Techniken und Mitteln im Zentrum der Veranstaltung, die statt der erhofften 100 Personen 460 Interessierte ins Bergische Land zog.

 


 

 

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Platons Höhle

 

 

Greifswald (SPA): Eine Diskussion am Samstagabend zum Zustand der BILD-ung, des UNTER-RICHTENs und des Er-ZIEHENs an den Schulen und der Universität bringt mich dort dazu, eine kleine Anekdote aus meinen Studientagen preiszugeben, die, so die einhellige Meinung in unserer kleinen Runde, den Zustand des Systems selbst im Heute zutreffend beschreibt.

 

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Die Maus in der Hand

 

 

 

 

Greifswald (SPA):  Zwanzig junge Menschen, samt und sonders wahlberechtigt, gründen drei Parteien, schreiben ein kurzes Wahlprogramm, einigen sich auf einen Slogan und ihren Spitzenkandidaten. Ziel des Spiels: gewählt zu werden.

 

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Rot Kreuz

 

Meine Kernkompetenz: Frauen einwickeln

 

 

Greifswald (SPA): Als ich noch kurz um die Ecke gehe, um die Umluft zu nikotinisieren, läuft sie freundlich grüßend an mir vorbei. Marineblaue Hose, marineblaue Jacke und darunter eine weiße Bluse, von deren Kragen mich das Corporate Design des Deutschen Roten Kreuzes grüßt. In den Händen transportiert sie vier prall gefüllte Taschen mit weiterbildungsrelevantem Equipment – eindeutig identifizierbar an orangenen Warnwesten, die aus einer der Tüten quellen. Schon prophezeie ich erfüllend selbst.

 

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Ich reformiere

 

 

 

Greifswald (SPA): Jeeds Jhar im Arpil setelln jugne Mschneen irhe Abriet an eenim Porkjet frteig, das sie in enier mnüldchien Püfrnug im Agusut vor der IHK vreetiidegn wreedn. Die Zkfunut usnreer Pgroarmeimerr und Sezpaislietn für den tcheinchsen IT-Spuprot dkuonemitret deis in enier ewta 20-steigien Porkjetabriet. Mit deiesr bgennien sie in der Rgeel zölwf Mnaote vor dem Tmeirn mttiles Fdinnug enier Üerbifschrt. Dnaach lgeit die Abriet 50 lgane Woechn barch. Nun aebr, in eniem sgenefhaetn Ednurspt, wrdeen die Ihnlate bnnein wnieegr Tgae auf enie Fsteapltte ghaeckt. 

 

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Das letzte Einser-Abitur

 

Bei Kevin im 14. Haus: Einstein in Schrift und Bildern

 

 

 

Greifswald (SPA): Dezember 2038. Ich bin auf der Suche nach dem letzten Gymnasiasten, der sein Abitur mit der Note „Eins“ ablegen wird. Nach einer Beschwerde des bayrischen Kultusministeriums aus dem Jahre 2016, in dem vor allem die Nordländer wie Berlin, Bremen oder Mecklenburg-Vorpommern dafür kritisiert wurden, Schüler nicht zu fordern und ein „Sehr gut“ allzu leichtfertig zu verteilen, kam Bewegung in die Bildungsrepublik Deutschland.

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Die Effizienz der Misere

 

Anschaulich und kompetent: Holmar lässt sich nach der Präsentation feiern

 

 

Greifswald (SPA): Unter dem Thema „Schleusen und Effizienz“ referierte gestern Akim Holmar in der Aula der Greifswalder Integrationsschule „Erwin Fischer“. Der für die nordafrikanische Schleuserinnung EnMS (Europa´  s next Migrant Station) tätige Koordinator für West- und Mitteleuropa erläuterte vor Vertretern deutscher Integrations- und Einwanderungsbehörden sowie vor dem live per Stream zugeschalteten Bundesinnenminister Thomas de Maizière verschiedene Perspektiven zum Transport der Ware Mensch über das Mittelmeer.

 

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Thomas, der Polier

 

Greifswald (SPA): Um Punkt 14 Uhr sind mein Fotograf und ich mit Thomas in der Nähe des Fischmarktes verabredet. Wir sind zwölf Minuten drüber. Dann kommt er.

 

Thomas belegt BWL im 16. Semester und finanziert sein Studium über Gelegenheitsjobs. Die werden durch den ASteR vermittelt, den Allgemeinen Studentenausschuss für einkommensbezogene Reanimation.

Nachdem Ruhe in die Revierkämpfe gezogen ist, hat er seinen Claim hier im Stadtzentrum abgesteckt. 20 mal 20 Meter in exponierter Lage. 0,04 Hektar vom Filet, auf denen er sich als Rundum-Dienstleister definiert. Er nennt es Wohlfühloase, für Touristen und Einheimische, die er nach seinen Vorstellungen kreiert. Jetzt, wo die Bürgermeisterwahl endlich ihren Abschluss gefunden hat, ist das triste Schwarz aus der Kostümierung der Anbieter gewichen. Thomas begrüßt uns in einem Grün, wie es satter nicht sein kann.

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