Großreinemachen in Evian

 

 

Nicola Azzuretti im Aufgang der Nobelunterkunft der deutschen EM-Kicker (Foto nachgestellt)

 

 

Evian-Les-Bains (SPA): Nicola Azzuretti hat sich geirrt. Die 44-jährige, im süditalienischen Adelfia geborene Reinigungsfachfrau, erhielt im Februar 2016 durch die UEFA den Zuschlag für die Endreinigung der Quartiere aller EM-Teilnehmer. Gestern ging sie pünktlich um 21 Uhr ans Großreinemachen einer Unterkunft im ostfranzösischen Evian-Les-Bains. Stilecht mit einem Staubwedel in den deutschen Nationalfarben.

Ein Irrtum in Schwarz-Rot-Gold.

 

„Es wird ja landläufig behauptet, ein Spiel dauere 90 Minuten und am Ende gewinnen immer die Deutschen.“, weiß Azzuretti zu berichten. Mein überzeugtes Naja kontert sie trotzig: „Außer gegen Italien.“ Hier fehlen mir ein paar Gegenargumente. Allerdings kann ich mir den Hinweis nicht verkneifen, dass sie den letzten Satz aufgrund aktueller Entwicklungen durchaus überdenken dürfe.

 

Nun redet sich Frau Azzuretti ins Heißblut: „Noch nie lag ich daneben. Die Engländer wollten mein Auftauchen ebenso wenig wahrhaben wie vorgestern die Belgier. Aber ich spüre das und lese es immer zur Sicherheit aus dem Kaffeesatz. Selbst nach dem 1:0 der Deutschen habe ich gestern Abend völlig überzeugt weitergemacht. Zum Elfmeterschießen war ich längst mit der Reinigung fertig und konnte mir das Drama live ansehen. Zu blöd. Jetzt schiebe ich heute eine Doppelschicht.“

 

Ich hingegen las in meinem Teebeutel, dass Nicola Azzuretti am nächsten Sonntag wieder hier sein wird. Punkt 21 Uhr, wenn das Endspiel angepfiffen wird. Dann winke ich ihr zum Abschied, als sie ihren Kleintransporter startet. Sie fährt gen Süden. Nach Tourrettes - dorthin, wo ihre Landsleute ihr Quartier hatten. Sie winkt durch das geöffnete Seitenfenster mit einem Staubwedel zurück.

 

Stilecht in Rot-Weiß-Grün.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Knepulski (Montag, 04 Juli 2016 08:59)

    gut erkannt